Wirtschaftsübersicht Kosovo

Pristina im Sommer Bild vergrößern Pristina im Sommer (© Deutsche Botschaft Pristina)

Die Republik Kosovo als jüngster Nachfolgestaat des ehemaligen Jugoslawiens (seit 17.02.2008) gehörte zu jugoslawischen Zeiten zu den strukturarmen Regionen mit überwiegend einfacher Agrarstruktur (bis zu 50% des Landes ist nutzbare Agrarfläche) und war weitestgehend auf die Rolle des Rohstofflieferanten für das restliche Jugoslawien reduziert (insb. Braunkohle, Nickel, Blei, Bauxite, Magnesium etc.). Seit 2000 wurde schrittweise der Transformationsprozess von einer sozialistisch geprägten Wirtschaft in eine offene Marktwirtschaft durch die EU begleitet. Mittlerweile präsentiert sich Kosovo als offene Marktwirtschaft, wie es auch in Art. 10 der kosovarischen Verfassung festgeschrieben steht. Von den rund 500 ursprünglichen genossenschaftlichen Betrieben („Socially-Owned Enterprises, SOE“) wurden bis heute über 300 durch die kosovarische Treuhandgesellschaft (Kosovo Trust Agency, 2002 unter Aufsicht von UNMIK eingerichtet) privatisiert, die nach der Unabhängigkeit der Republik Kosovo als Privatisierungsagentur Kosovo (PAK) in kosovarische Eigenverantwortung überführt wurde.

Einige Privatisierungen von SOE stehen noch an, die beiden größten und schwierigsten - u.a. wegen noch ungeklärter Eigentumsfragen – sind das Skiresort Brezovica und der Trepca-Minenkomplex.

Im Bereich der Reformpolitik hat die Regierung folgende Änderungen im Steuerbereich für 2009 durchgeführt:

Zum einen Reduzierung der Gewerbesteuer von 20% auf 10%, sowie die Reduzierung der drei Einkommensteuerstufen von jeweils 5, 10 und 20% auf 4, 8 und 10%.

Zum anderen wurde die Mehrwertsteuer um einen Punkt auf 16% erhöht und die Tabaksteuer von 17€/Kg auf 21€/Kg.

Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Republik Kosovo bisher nicht in massiven Umfang betroffen. Demnach geht der IWF von einem Wirtschaftswachstum von 3,8-4% des BIP für 2009 aus (nach 5,4% in 2008), während für 2010 ein leichter Aufwärtstrend von 4,3% des BIP prognostiziert wird. Die leicht rückläufigen Importzahlen und Transferleistungen in den vergangenen Monaten (laut Wirtschafts- und Finanzministerium wird bei den Transferleistungen von einem Rückgang um ca. 8 % ausgegangen) sowie der Rückgang der ausländischen Investitionen (laut Zentralbank Kosovo bis zu 30% zum Vorjahr), konnten durch die angezogenen Kapitalinvestitionen (besonders im Infrastrukturbereich) und erhöhte öffentliche Ausgaben bei den Gehältern weitestgehend kompensiert werden. Auch bildet eine leichte Deflation bei den Konsumgüterpreisen von geschätzten -2,2 % für das Jahr 2009 eine zusätzliche soziale Abfederung.

Das BIP je Einwohner lag 2008 bei 1759 Euro, für 2009 wird mit einer Steigerung auf 1837 Euro gerechnet. Das Durchschnittseinkommen beträgt ca. 250 Euro brutto.

Die Republik Kosovo als internationaler Wirtschaftspartner definiert sich bislang hauptsächlich über den Import von Waren bei einem sehr hohem Handelsdefizit. Im Jahr 2008 wurden 1.928 Mio Euro an Waren importiert und lediglich 196 Mio Euro an Waren exportiert.

Hauptimportprodukte sind Rohstoffe (insb. Öl) ca. 24%; Nahrungsmittel, Tiere und Pflanzen ca. 20%; Maschinen, Transportmittel, Instrumente ca. 17%; chem. Erzeugnisse und Kunststoffe ca. 9,5%; Textilien, Leder, Schuhe ca. 3,6%; Sonstige ca. 25,9%.

Hauptexportprodukte sind Rohstoffe (insb. Erze) ca. 60%; Nahrung, Tiere und Pflanzen ca. 8,6%; chem. Erz ca. 8,1%; Maschinen, Transportmittel, Instrumente ca. 5,1%; Holz und Papier ca. 3,4%; Sonstige ca. 14,8%.

Hauptlieferländer sind die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien (342,7 Mio. Euro), Serbien (208,1 Mio. Euro), Deutschland (195,8 Mio. Euro), Türkei (124,3 Mio. Euro) und China (120,1 Mio Euro), wobei der Anteil der EU am Import ca. 30,1% beträgt. Hauptabnehmerländer sind die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien (16,3 Mio. Euro), Albanien (15,1 Mio Euro) und Griechenland (10,7 Mio. Euro), wobei ca. 52,1% der Ausfuhren in die EU gehen.

Deutschland ist damit innerhalb der EU der wichtigste Handelspartner und insgesamt hinter der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien und Serbien an dritter Stelle gelegen. Der Ruf Deutschlands insgesamt und deutscher Markenprodukte ist in Kosovo sehr gut. Dies hat zum einen mit der umfassenden politischen, sicherheits- und entwicklungspolitischen Unterstützung seit Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen 1999 zu tun, zum anderen aber auch mit den engen Verbindungen mit der großen kosovarischen Diaspora in Deutschland (ca. 250-350.000 Personen) und vielen Rückkehrern, denen zwischenzeitlich in Deutschland ein Aufenthaltsrecht gewährt wurde. Das Interesse an wirtschaftlicher Zusammenarbeit und möglicher deutscher Direktinvestitionen ist daher von kosovarischer Seite sehr groß.

Grüner Markt in Pristina Bild vergrößern Grüner Markt in Pristina (© Deutsche Botschaft Pristina)

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Deutsche Unternehmen in Kosovo

Seit Jahren sind in der Republik Kosovo viele deutsche Unternehmen vertreten. Gerade diese Vielzahl von kleinen und großen Unternehmen benötigen eine Kontaktbörse, bei der Informationen ausgetauscht und Kontakte untereinander aufgebaut werden können.

Die Deutsche Botschaft Pristina veranstaltet vor diesem Hintergrund einen etwa alle zwei Monate stattfindenden Wirtschafts-Jour-Fixe. Viele Vertreter deutscher Unternehmen nehmen daran teil. Er erfreut sich immer größerer Beliebtheit, was auch der wachsenden Zahl von ansässigen deutschen Unternehmen Rechnung trägt, u.a. Vertreter von VW, BMW, Würth, NIVEA.

Der Wirtschafts-Jour-Fixe wird wahlweise in deutscher oder englischer Sprache abgehalten.

Sollten Sie ein deutsches Unternehmen vertreten und bisher noch nicht teilgenommen haben, so stellen Sie sich bitte kurz bei uns vor. Sie können uns über unser KONTAKTFORMULAR erreichen.